Saarland – Wegbereiter für den „Saar-Lor-Luchs“?

 

Nachdem der Luchs in Mitteleuropa während des 18. bis 19. Jahrhunderts nahezu vollständig ausgerottet wurde, ist er durch Wiederansiedlungsprojekte in einigen wenigen, isolierten Waldgebieten heute wieder heimisch geworden. Im weiten Umkreis um das Saarland sind dies im Wesentlichen großflächig bewaldete, mehr oder weniger unzerschnittene Mittelgebirgsregionen wie die Vogesen, der Pfälzerwald und der Harz. Aber auch der Hunsrück und die Eifel bergen die Chance den Luchs wieder heimisch zu machen.

Aufgrund der großen Revieransprüche mit Reviergrößen bis zu 500 km² und mehr, bei denen die Luchse zudem kaum Überschneidungen zu Nachbarrevieren andere Luchse zulassen, wird sich das Saarland aufgrund seiner geringen Flächengröße und seiner stark zerschnittenen Waldflächen (leider) längerfristig kaum als isolierter, dauerhafter Lebensraum für Luchse etablieren können. Selbst die vorhandnen Populationen sind wildbiologisch nicht ausreichend groß, um ein dauerhaftes Überleben zu gewährleisten.

Lediglich kleine Teilbereiche im nördlichen Saarland bieten aufgrund der guten Verknüpfung mit dem Hunsrück in Rheinland-Pfalz möglicher Weise einen bedingt geeigneten Lebensraum für eine rheinlandpfälzische Luchspopulation. Eine isolierte Wiederansiedlung des Luchses im Saarland als eigenständiges, saarländisches Projekt kann aus diesem Grund kein wildbiologisch sinnvolles Ziel darstellen.

Gleichwohl hat das Saarland bei konsequent naturnaher Waldwirtschaft eine wichtige Funktion für die Zukunft des Luchses, denn die bereits in den Vogesen und im Pfälzerwald ansässigen Tiere haben auch in Zukunft ein gravierendes Problem: Aufgrund ihrer großflächigen Revieransprüche stoßen wandernde Tiere auf der Suche nach eigenen Einstandsrevieren rasch auf die Grenzen unserer Zivilisation, in erster Linie den Straßenverkehr und andere Linien artige Zerschneidungen - aber auch auf illegale Jagd und die Ängste einer Bevölkerung vor einer (absolut ungefährlichen) Wildkatze in der Größe eines kleines Schafes.

Das primäre politische Ziel sollte daher das Vernetzen bereits vorhandener geeigneter Lebensräume sein - und dies in einem überregionalen, europäischem Maßstab. Denn der Luchs erweist sich aufgrund seines riesigen Aktionsradius als Botschafter eines neuen Natur- und Landschaftsverständnisses. Aufgrund seiner Schönheit ist er zudem ein ideales Leitbild und Symbol für eine „vernetzte“ Landschaft, die nicht nur ihm selbst sondern allen unseren bedrohten Wildtieren das Leben in unserer Kulturlandschaft durch gesellschaftliche Akzeptanz des allmählichen Landschaftswandels und eines naturreichen Waldes erleichtern würde.

Als Vermittler zwischen den Lebensräumen Pfälzerwald, Hunsrück, Eifel und Vogesen, bietet sich insofern für das Saarland eine sinnvolle, ja ideale Aufgabenstellung, nämlich dem Luchs wieder eine Chance zur Wanderung zu geben. Die Verbesserung des Biotopverbundes mit dem „Leitsymbol Luchs“ als dem heimischen Tier mit den größten Raumansprüchen könnte das Saarland in Zusammenarbeit mit seinen Nachbarregionen Lothringen, Luxemburg, Eifel, Hunsrück und Pfalz zu einem wichtigen Wegbereiter für einen grenzüberschreitenden „Saar-Lor-Luchs“ werden.

Der „Saar-Lor-Luchs“ würde so zu dem Symbol des regionalen Zusammenwachsens und zum Bannerträger, ja zur Corporate Identity (CI), der Region beitragen. Der Saar-Lor-„Luchs“ wäre damit mehr als nur ein Wortspiel – und sicherlich sinnhaltiger als der blaue, röhrende Hirsch, dem Symbol der europäischen Kulturhauptstadt vor wenigen Jahren. Sein, nationale Grenzen übergreifender, Schutz könnte zum Motor der politischen Entwicklung und regionalen europäischen Einigung werden, der bisher das emotionale CI gänzlich fehlt, um die Bevölkerung emotional zu bewegen und den Einigungsprozess zur Herzenssache zu machen.

Der ÖJVsaar regt darum an, dass die Landesregierung in einem ersten Schritt das Potenzial des Saarlandes zur Förderung und Wiederherstellung von Wanderkorridoren für den Luchs durch dafür qualifizierte Institutionen und Personen in einer Machbarkeitsstudie untersuchen lässt (Eignung des Gebietes, Vorschläge zur Optimierung des Lebensraumverbunds, Identifikation der Kardinalpunkte, Studie zur Akzeptanz des Neubürgers in verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Verbesserung der Wanderungshilfen, z.B. zur Querung von Autobahnen, grenzüberschreitende Landschaftsentwicklung, etc.).

In einem zweiten Schritt könnte durch regionale Vereinbarungen der Luchs zum grenzüberschreitenden Naturschutzprojekt mit dem Ziel gemacht werden, ihn im geographischen Mittelpunkt Europas wieder heimisch zu machen und ihn gleichzeitig zum Symbol des Zusammenwachsens der Regionen zu nutzen, um die Bevölkerung für diesen Prozess zu emotionalisieren.

Der ÖJVsaar ist überzeugt, nicht das Europa des Großkapitals und der Banken bewegt die Menschen, sondern nur das Europa einer lebenswerten Landschaft und einer intakten Großregion (Heimat) kann die Menschen unterschiedlicher Nationen und Sprachen emotional vereinen.

Der „Saar-Lor-Luchs“ könnte dieser Entwicklung symbolisch vorangehen und helfen, die Menschen der Region dafür emotional zu gewinnen !!


Wilhelm Bode, Vorsitzender ÖJVsaar

(Oktober 2010)