Jagdhandwerk ist gefordert!

Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Hans Wunderlich und Gattermeister Maik Weingärtner am 5. 3. 2011 in Büschfeld, Hotel Zum Schloßberg.


Der Unterzeichner konnte bei vollem Haus eine große Anzahl von Gästen und Mitgliedern begrüßen. Erstaunlicher Weise waren die herzlich eingeladenen Tierschützer, die im Vorfeld der Veranstaltung den ÖJVsaar deswegen heftig kritisiert hatten, gar nicht erschienen. Gleichwohl standen die tierschutzethischen Aspekte des Betriebs eines Saugatters neben dem jagdlichen Ausbildungszweck im Zentrum der Diskussion des Abends – und natürlich auch die jagdpolitische Frage, ob ein gesetzlich generalisierendes Verbot der Ausbildung von Hunden am lebenden Wild sinnvoll oder sogar tierschutzpolitisch notwendig ist.

Prof. Dr. Hans Wunderlich, emeritierter Professor für Veterinärmedizin und 1. Vorsitzender der Kompetenzgruppe Schwarzwildgatter, und Forstamtmann Maik Weingärtner, 2. Vorsitzender der Kompetenzgruppe und Gattermeister, hielten fesselnde Vorträge zur Theorie und Praxis des Betriebs von Schwarzwildgattern. Diese wurden durch anschauliche Präsentationen und Filme intensiviert. Prof. Wunderlich, der sich sein ganzes Leben lang mit den Fragen einer Tierschutz verträglichen Ausbildung von Jagdhunden beschäftigt hat und insofern als ausgewiesener Fachmann in Deutschland gilt, stand mit seinem Kollegen Weingärtner ca. 2 Stunden nach den Vorträgen für eine lebhafte Diskussion zur Verfügung, die die Mehrzahl der Teilnehmer bis nach 23.00 Uhr (insgesamt fast 5 Stunden) fesselte.

Der Unterzeichner schloss die Veranstaltung und bedankte sich bei Prof. Wunderlich und Herrn Weingärtner für die freundliche Einladung des ÖJVsaar nach Brandenburg zu kommen, um die Ausbildung im Schwarzwildübungsgatter vor Ort life miterleben zu können. Das Echo der Teilnehmer dazu war zustimmend und der ÖJVsaar wird eine entsprechende Exkursion im laufenden Jahr prüfen und gegf. vorbereiten.

 

Das Resumè der Veranstaltung:

Abschließend fasste der Unterzeichner seinen persönlichen Eindruck von der Veranstaltung wie folgt zusammen.

Die explodierenden Rehwild- und Schwarzwildbestände seien eine Herausforderung der Jagdkultur. Ließen sich Überpopulationen von Dam-, Rot- und Muffelwild bei beherztem (gegf. „radikalem“) Abschuss in wenigen Wochen der ökologischen Tragfähigkeit des Kulturlebensraumes anpassen, seien beim Reh- und Schwarzwild handwerkliche Perfektion die Voraussetzung mit jagdlich akzeptierten Mittel, nämlich der Schießjagd, das Dauerproblem lösen zu wollen. Gerade beim Schwarzwild sei der Jagdhund dabei die handwerklich perfekteste Unterstützung des Jägers. Es entscheide sich an dieser Frage der Handwerklichkeit des Jagens, ob Jagd letztlich eine gesellschaftliche Zukunft hat.

Mit anderen Worten: Kann die Jagd mit ihren handwerklichen Mitteln die Probleme der explodierenden Schwarzwildbestände lösen – oder kapituliert sie davor und zwingt die Politik jagdferne Lösungen zu suchen (z.B. Mehrfachlebendfallen zur Limitierung, chemische Eingriffe in die Fertilität der Sauen, staatliche Abschusskommandos etc.).
Die einzige Alternative dazu ist eine effiziente Bejagung der Überpopulation, die mit Tierschutz verträglicher Perfektion die Bestände limitiert. Dass weder die Intensivierung der Kirrjagd noch der Zufallsabschuss bei der Ausübung der Einzeljagd dazu geeignet sind, ist fraglos zu bejahen. Etwa 70 % des Schwarzwildes kommen heute bei diesen beiden Jagdmethoden zur Strecke und es reicht bekanntlich eindeutig nicht zur Lösung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt also bei den verbleibenden 30 % der Schwarzwildstrecke, der Saudrückjagd, die als einzige noch eine erhebliche Intensivierung zulässt. Intensivierung meint an erster Stelle eine Effektivierung, d.h. bei jeder Drückjagd wird die Strecke systematisch und erheblich gesteigert. Das setzt aber eine deutliche Verbesserung des Ausbildungsstandes unserer Jagdhunde voraus. Grundsätzlich sind alle unsere Jagdhunde unabhängig von ihrer Rassenzugehörigkeit potentiell geeignet für die Sauendrückjagd, sofern ihre individuelle Eignung im Einzelfall erwiesen ist. Schon bei dieser Frage ist das Saugatter eine unersetzliche Hilfe, zeigt doch bereits eine einmalige, max. ca. 10 Minuten dauernde Ausbildung im Gatter, ob ein Hund überhaupt individuell geeignet ist.

Die von Prof. Wunderlich eindrücklich dargestellte Praxis belegt auch wissenschaftlich (Promotion Erler), dass bei sachgerechter Theorie und Betrieb von Saugattern keine Tierschmerzen zu gegenwärtigen sind. Die filmisch vorgestellten Methoden überzeugen jeden Beobachter von dieser Aussage, wird doch ein Kontakt zwischen Gattersauen und Ausbildungshunden systematisch unterbunden. Die komplette Ausbildung eines Hundes dauert an vier verschiedenen Tagen jeweils max. 7-10 Minuten, nämlich im unmittelbaren Beisein des Hundeführers und des erfahrenen Gattermeisters. Letzterer kennt die Sauen sehr gut und kann jederzeit den Ausbildungseinsatz durch persönliches Eingreifen abbrechen.

Eher stellt sich die umgekehrte Frage: Ist es tierschutzethisch gerechtfertigt, mit untrainierten Hunden in freier Natur auf Schwarzwild zu jagen, also gerade auch mit Hunden, die aus Unerfahrenheit die Sauen direkt körperlich attackieren. Das wird ihnen schon in der ersten Lektion im Gatter wirksam abgewöhnt, da sich ihnen die zahmen, erfahrenen und adulten Gattersauen aggressiv stellen und sich nicht vom Gekläffe ins Boxhorn jagen lassen. Die Hunde lernen also schon beim ersten Kontakt, sich auf sicherer Distanz zu halten (ca. 5 Meter) und die Sauen nur durch Scheinangriffe in Bewegung zu halten. Bekanntlich lernen unsere Hunde schnell oder gar nicht. Es ist deswegen erstaunlich wie einzelne Hunde bereits beim erstmaligen Einsatz begreifen worauf es ankommt- oder eben das Weite suchen und damit signalisieren, dass sie dauerhaft ungeeignet sind. Insgesamt lernen geeignete Hunde das bewegen der Sauen aus ihrem Kessel in maximal vier Übungseinheiten von gerade einmal 7-10 Minuten Dauer. Es macht geradezu Freude zu sehen, wie Hund und Wildschwein sich gegenseitig auf Distanz halten und miteinander in Achtung kommunizieren. Wer das beobachtet, braucht den vorhandenen wissenschaftlichen Beweis nicht mehr, um von der Tierschutzverträglichkeit dieser Ausbildungsmethode überzeugt zu sein.

Letztlich gibt damit das Saugatter der Jagd einen wichtigen Schlüssel in die Hand, die gesellschaftliche Erwartung zu erfüllen, nämlich die Limitierung problematischer Schwarzwildbestände mit der gesellschaftlichen und jagdkulturell akzeptierten Methode der Schießjagd auch tatsächlich lösen zu können.


Was also spricht gegen ein fachlich geführtes Saugatter auch im Saarland?

Nicht zuletzt setzte sich der Unterzeichner dafür ein, dass es dabei bleiben solle, dass die Saugatter wie bisher von den Tierschutzbehörden zu genehmigen und zu beaufsichtigen sind (und eben nicht von den Jagdbehörden).

Auch sollte, wenn ein Saugatter im Saarland eingerichtet werden soll, dieses möglichst in einem Staatswaldrevier stationiert werden, um die mittelbare staatliche Aufsicht gewissermaßen kostenlos zu garantieren. Auch genügt im Saarland wohl ein einziges Saugatter, was Missbrauch schon von daher kontrollierbar hält. Betriebskosten, das zeigen die vorhandenen Saugatter in Deutschland, entstehen nicht, denn die jagdliche Akzeptanz bewirkt eine rege Nachfrage und Auslastung. Einer effizienteren Drückjagd auf Schwarzwild täte ein Saugatter im Saarland wohl nur gut.

Der Unterzeichner erinnerte schlussendlich daran, dass es im Saarland 1992 bereits einmal einen von allen Seiten – auch denen des Naturschutzes und des Tierschutzes akzeptierten – Kompromiss gegeben habe, Tierschutz fragwürdige Ausbildungsmethoden am lebenden Wild einzudämmen:
Mit einstimmiger Zustimmung des damaligen erweiterten VJS-Vorstandes sollte ein Befähigungsnachweis zur Ausbildung am lebenden Tier im Saarland eingeführt werden. Er sollte Voraussetzung für Jeden sein, der Hunde am lebenden Wild ausbilden möchte. Das hieß aber umgekehrt: Der normale Jagdscheininhaber hat diese Befähigung ohne geprüfte Zusatzqualifikation nicht. Diese Regelung mit Augenmaß wurde leider wegen des Wechsels von Wirtschaftsminister Hajo Hoffmann zu dem glücklosen und später geschassten Minister Reinhold Kopp wieder fallen gelassen. Ganz nebenbei wäre sie auch eine willkommene Verbreiterung des Marktangebotes des in der gewerblichen Jagdausbildung führenden deutschen Bundeslandes, nämlich dem Saarland.


gez. Wilhelm Bode, Vorsitzender ÖJVsaar


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Diese E- Mail veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Prof. Wunderlich:


Von: Hans Wunderlich [mailto:hans_wunderlich@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 12. März 2011 19:34
An: wilhelm.bode@online.de
Cc: 'Maik Weingärtner'
Betreff: Infoveranstaltung Schwarzwildgatter

Sehr geehrter Herr Bode,

wir sind gut zu Hause angekommen - der Alltag hat uns wieder.
Bei Ihnen möchte ich mich nochmal ganz herzlich bedanken, dass Sie diese Veranstaltung ermöglicht haben. Ich hoffe, Sie können die Ergebnisse der Veranstaltung verwenden. Sehr wohltuend war Ihre kompetente und ausgewogene Moderation für Inhalt und Ablauf.
Lassen Sie uns auch Danke sagen für die aufmerksame und freundliche Betreuung vor Ort.
Über einen Besuch - wie besprochen - würden wir uns sehr freuen.

Ich verbleibe mit
Weidmannsheil auf allen Wegen

Hans Wunderlich

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Unser Buchtip hierzu:

Weidblicke

Jagdkynologische Arbeiten
von Hans Wunderlich

Herausgeber ist der Jagdgebrauchshundeverein Königs Wusterhausen e.V.

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